FIRMEN MALEN - Art-Based Coaching

12.10.2026

Scheinharmonie im Team: Wenn alle nett sind und trotzdem nichts gesagt wird

Ich war neulich bei einem Team, das mir versicherte, es gebe "eigentlich keine Konflikte". Alle nickten. Alle lächelten. Ich habe ihnen Pinsel in die Hand gedrückt – und binnen zwanzig Minuten stand fest, wer im Raum das Wort hat und wer sich seit Monaten wegduckt. Scheinharmonie ist das freundlichste aller Teamprobleme: Sie fällt niemandem auf, bis sie teuer wird.

Die Kernaussage in einem Satz

Bevor wir in die Details gehen, für alle, die gleich wieder in ein Meeting müssen, die Kurzversion: Ein Team, in dem alle immer freundlich sind, ist nicht automatisch ein Team, dem man vertrauen kann – oft ist es nur eines, in dem keiner das Risiko eingehen will, einmal unfreundlich zu wirken. Der Rest dieses Textes erklärt, warum das ein Unterschied ist, der über Fortschritt und Stillstand entscheidet.

Woran Sie Scheinharmonie erkennen

Woran merkt man das eigentlich, bevor der Schaden entsteht? Ein paar Indizien, die ich in über zwanzig Jahren FIRMEN MALEN immer wieder gesehen habe: Meetings enden regelmäßig mit einstimmigem Nicken, aber der eigentliche Widerspruch passiert zwei Minuten später auf dem Flur, in Zweiergruppen, mit gesenkter Stimme. Kritik wird, wenn überhaupt, in homöopathischen Dosen verabreicht – gerade stark genug, um das eigene Gewissen zu beruhigen, zu schwach, um irgendetwas zu verändern. Scheinharmonie erkennt man nicht an dem, was gesagt wird, sondern an dem, was auffällig oft nicht gesagt wird. Bei einem gemeinsamen Bild merkt man das übrigens schneller, als man denkt: Es gibt nie genug dicke Pinsel für alle. Wer sich traut zu fragen, wer gerade einen hat, zeigt etwas über sich – und wer lieber mit dem dünnen Pinsel in der Ecke bleibt, zeigt auch etwas.

Nett sein ist nicht dasselbe wie vertrauen

Freundlichkeit kostet fast nichts. Vertrauen kostet etwas – nämlich das Risiko, falsch verstanden zu werden, blöd auszusehen oder tatsächlich mal anzuecken. Deshalb ist ein Team, das sich nie streitet, nicht automatisch ein Team mit viel Vertrauen, sondern manchmal einfach ein Team, in dem noch niemand das Risiko ausprobiert hat. Was in der Forschung "psychologische Sicherheit" genannt wird, meinen wir im Grunde Ähnliches: nicht die Abwesenheit von Reibung, sondern die Gewissheit, nach der Reibung noch dazuzugehören. Darüber sind wir in unseren Beiträgen zu Organisation und Change schon öfter gestolpert – meist, weil ein Kunde vorher beteuert hatte, das Thema sei bei ihm "eigentlich kein Problem".

Warum Farbe manchmal ehrlicher ist als Worte

Das Schöne an einer gemeinsamen Leinwand ist, dass sie keine Rücksicht auf das Betriebsklima nimmt. Wer in Meetings seit Jahren übergangen wird, übergeht sich beim Malen plötzlich selbst nicht mehr – und wer sonst jedes Gespräch dominiert, muss feststellen, dass die Leinwand nicht zuhört, wenn man lauter wird. Handlung verrät mehr über ein Team als jede Feedbackrunde, weil sie sich schwerer schönreden lässt als ein Satz. Genau deshalb arbeiten wir bei unseren kreativen Teamevents konsequent mit echten Materialien statt mit Flipchart und Moderationskarte: Man kann vieles behaupten, aber schwer vortäuschen, dass man gerade mit jemandem zusammenarbeitet.

Der Moment, in dem es kippt

Fast immer gibt es diesen einen Moment: Jemand sagt "Das sieht komisch aus" oder "Kannst du da noch mal drüber?" – und nichts stürzt ein. Im Gegenteil, es wird leichter. Der erste harmlose Satz, der nicht sofort wieder weichgespült wird, ist der eigentliche Teambuilding-Moment – alles danach ist nur noch Farbe. Deshalb ist unser Teambuilding-Workshop auch kein Kreativkurs, bei dem am Ende alle ein hübsches Bild mit nach Hause nehmen, sondern eher ein kontrollierter Testlauf dafür, ob man im eigenen Team auch mal "nein" oder "anders" sagen darf, ohne dass die Welt untergeht.

Wann ein Event reicht – und wann es mehr braucht

Ein Nachmittag mit Farbe löst keine jahrealte Scheinharmonie auf, das wäre eine ziemlich steile Behauptung über mein eigenes Angebot, und steile Behauptungen über das eigene Angebot mag ich grundsätzlich nicht. Ein Teamevent zeigt zuverlässig, wo in einem Team wirklich der Schuh drückt – ob er dort auch ausgezogen wird, ist eine andere Frage. Wenn aus einem auffälligen Muster ein wiederkehrendes wird, arbeiten wir unter ART.in.use. mit Teamcoaching mit Kunst weiter an genau den Stellen, die ein einzelner Nachmittag nur freilegen, aber nicht bearbeiten kann.

Fazit

Scheinharmonie ist bequem, bis sie es nicht mehr ist – meistens genau dann, wenn ein Projekt kippt, eine gute Idee im Konsens zerredet wurde oder die beste Mitarbeiterin kündigt, "weil hier eh nie was gesagt wird". Man merkt Scheinharmonie am ehesten daran, woran sich niemand reibt. Wenn Sie wissen wollen, wie es in Ihrem Team tatsächlich aussieht – nicht im Protokoll, sondern auf der Leinwand – nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf, dann schauen wir uns das gemeinsam an.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist ein harmonisches Team automatisch ein gutes Team?

Nicht automatisch. Harmonie ist gut, wenn sie aus echtem Vertrauen entsteht, und ein Warnsignal, wenn sie nur daraus entsteht, dass niemand widersprechen will. Beides sieht von außen fast identisch aus – von innen nicht.

Woran erkenne ich Scheinharmonie in meinem eigenen Team?

Ein verlässliches Indiz: Kritik passiert fast nur hinter verschlossenen Türen oder nach dem Meeting, nie im Meeting selbst. Ein zweites: Entscheidungen werden einstimmig getroffen, aber im Alltag nie wirklich mitgetragen.

Hilft ein Teamevent gegen Scheinharmonie?

Ein Event macht sie sichtbar, weil Handlung sich schwerer verstellen lässt als ein Satz im Meeting. Auflösen muss das Team sie trotzdem selbst – im besten Fall mit etwas Begleitung.

Was unterscheidet kreatives Teambuilding von klassischem Feedback-Training?

Feedback-Training arbeitet mit Sprache, die man vorsichtig wählen kann. Ein gemeinsames Bild arbeitet mit Handlung, die man kaum vorsichtig wählen kann – deshalb kommt oft schneller etwas Echtes zum Vorschein.

Ab wann braucht ein Team mehr als ein Event?

Wenn sich ein Muster wiederholt, statt nur einmal aufzutauchen – also wenn dieselbe Scheinharmonie beim nächsten Anlass wieder da ist. Dann ist meist Teamcoaching der sinnvollere nächste Schritt, nicht noch ein Event.

Autor: Götz Friedewald, Gründer von FIRMEN MALEN, zertifizierter Teamcoach und Künstler.

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